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Pfaffenhofener Kurier berichtet über den Tag der offenen Türe

Mit Hilfe zurück ins Leben

Pfaffenhofen (PK) Trifft man auf der Straße Mitmenschen mit gelber Armbinde mit schwarzen Punkten, im Rollstuhl sitzend, an Krücken gehend oder mit einem Blindenstock, so ist sofort und auf den allerersten Blick klar, dass diese Person eine Behinderung hat. In der Regel nimmt man dann mehr Rücksicht, ist bei manchen Handhabungen behilflich und hat Verständnis für eventuelle Probleme. Ganz anders jedoch ist die Situation, wenn es sich um psychische Erkrankungen handelt.

Beim Tag der offenen Tür zeigten die Verantwortlichen und Mitarbeiter sowie Klienten der Familia Sozialeinrichtungen ihren Alltag ? unter anderem mit dem Angebot der Autoinnenreinigung.

Beim Tag der offenen Tür zeigten die Verantwortlichen und Mitarbeiter sowie Klienten der Familia Sozialeinrichtungen ihren Alltag – unter anderem mit dem Angebot der Autoinnenreinigung.

Dass es hier einen großen Unterschied gibt erklärte Julia Menzel-Härpfer von der Geschäftsführung der Familia Sozialeinrichtung, die sich am Donnerstag mit einem Tag der offenen Tür vorstellte. Mit diesem Termin wollten die Verantwortlichen von Familie Brücken bauen und ein besseres Verständnis für Menschen mit psychischen Problemen wecken.

Der Einladung waren zahlreiche Interessierte, unter ihnen auch Pfaffenhofens Bürgermeister Thomas Herker, gefolgt. Ein freundliches Willkommen mit Häppchen und Getränken erwartete die Besucher am Schwarzbach. Der offizielle Teil der Veranstaltung leitete Sarah Kaindl ein, die Sänger und Musiker des vereinseigenen Chores präsentierte. Die Textzeilen “Über den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein, alle Ängste alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen” von Reinhards Meys Klassiker lieferten den passenden Auftakt.

 

Musikangebote erklärte der pädagogische Leiter Thomas Teichmann (am Mikrofon).
Musikangebote erklärte der pädagogische Leiter Thomas Teichmann (am Mikrofon).

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Julia Menzel-Härpfer als Teil der Geschäftsführung und Fachlehrerin erkläre den Gästen, man wolle Stigmata abbauen und der Bevölkerung zeigen, welche Ziele der Verein habe und welchen Aufgaben man sich verschrieben hätte. Deutlich wurde: Psychische Erkrankungen könnten jeden treffen, egal welchen Alters. Das Schwierige sei, man könne die Krankheit nicht sehen, greifen oder begreifen und doch hätten viele Menschen damit zu tun. Dabei würden die Betroffenen sehr darunter leiden, aber auch Angehörige, Freunde oder auch Arbeitskollegen würden dabei mitleiden. Die Sonnenblume im Logo von Familia verweise auf viele mögliche Gesichter und sei Symbol für die Einrichtung, die Betroffenen und deren Umfeld helfen wolle. Möglich sei dies natürlich nur, wenn die jeweiligen Personen die Bereitschaft zum Mitmachen in einem Team hätten. Hilfe erfolge über Tagesstätte, therapeutische Wohngruppen, betreutes Einzelwohnen und Arbeitstherapie. Ausbildungen – wie beispielsweise in der Küchenarbeit – seien möglich und den Bewohnern sei in manchen Fällen auch die Möglichkeit geboten, sich durch Tätigkeiten auch etwas hinzuzuverdienen. Für namhafte Pfaffenhofener Firmen führt die gemeinnützige Sozialeinrichtung schon Aufträge wie Lohnmontagearbeiten aus.

Mit Trommel-Stücken demonstrierten am Donnerstag einige Teilnehmer ihre Freude an der Musik, musikalisch geleitet von Thomas Teichmann, der zusammen mit Saskia Kremsreiter für die pädagogische Leitung zuständig ist. Ein weiterer Vortrag von Psychiaterin Regina Brödenfeld (Psychiaterin) rundete die Veranstaltung ab und vor dem Eingang zeigen Patienten voll Stolz ihre Möglichkeit der Autoreinigung. Jederzeit kann man bei “Familia” seine “Familienkutsche” einer Außen-, Innen- oder Komplettreinigung unterziehen.

Das finale Ziel der Einrichtung ist es, den unter ihren psychischen Problemen leidenden Menschen die Wiedereingliederung in ein normales Leben zu ermöglichen. Keine einfache Aufgabe – aber trotz teilweise hohem Zeitaufwand mit auch über zwei Jahren – doch eine lösbare Aufgabe, wie Familia am Donnerstag zeigte.

Fotos und Bericht: Erich Engl